Mauergedenken

Abriegelung der Grenze und Bau der Mauer

Wie die innerdeutsche Grenze, so wurde auch der Grenzabschnitt zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau als Teil der Außengrenze bereits im Jahre 1952 geschlossen und mit Zäunen gesichert.

In der Nacht zum 13. August 1961 begannen Nationale Volksarmee und Volkspolizei der DDR die letzten noch bestehenden Verkehrsverbindungen zu unterbrechen. Vielerorts wurden zunächst Zäune errichtet oder Hauseingänge und Fenster zugemauert. In den folgenden Monaten und Jahren wurde der Grenzstreifen mit Mauern, Beobachtungstürmen, Kontakt- und Signalzäunen, Lichttrasse und Kolonnenweg zu tief gestaffelten Sperranlagen ausgebaut.

Todesopfer an der Berliner Mauer

Nach Recherchen der Stiftung Berliner Mauer und des Zentrums für zeithistorische Forschung Potsdam kamen an der Berliner Mauer mindestens 136 Menschen zu Tode. Die meisten von ihnen waren DDR-Flücht­linge, die beim Versuch, über die Sperranlagen nach West-Berlin zu gelangen, erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen.

Im Grenzabschnitt um den Naturschutzturm, zwischen der Florastraße in Hohen Neuendorf und dem Herthamoor im Ortsteil Bergfelde, sind in den Jahren 1964 bis 1980 vier junge Menschen bei Fluchtversuchen getötet worden:

Gedenken an die Maueropfer am Naturschutzturm

Im früheren Grenzstreifen sind die Zeugnisse der deutschen Teilung auch heute noch allgegenwärtig. Oft versuchen die Wald­jugendlichen sich vorzustellen, wie es wohl war, hinter der Mauer zu leben. Wären sie auch auf die Idee gekommen zu flüchten?

Im Rahmen des Jugend­projektes Zeitensprünge erforschten sie im Jahr 2006, fast zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, die näheren Umstände der Flucht von Marienetta Jirkowsky und ihren beiden Freunden Peter Wiesner und Falko Vogt. Für die damals 18-Jährige endete der Fluchtversuch am 22. November 1980 in der Hohen Neuendorfer Florastraße tödlich. In Zeitungsarchiven und in den Akten zum Mauerschützenprozess wurden die Jugendlichen fündig. Sie sprachen auch mit Zeitzeugen und mit Falko Vogt. Daraus entstand auch die Arbeit von Giordana Dunkhorst mit dem Titel „Hoher Preis für coole Kla­motten. Jugendliche ‚Aussteiger‘ in der DDR um 1980“, die ein Jahr später im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde.

Ende 2006 wurde in der Nähe des damaligen Fluchtortes in der Hohen Neuendorfer Florastraße, nur wenige hundert Meter vom ehemaligen Grenzturm Bergfelde entfernt, eine Gedenkstele für Marienetta Jirkowsky errichtet. Die Umsetzung erfolgte, in Ergänzung zum ursprünglichen Konzept des Berliner Mauerwegs, auf Initiative der Deutschen Waldjugend. Seit 2008 findet dort in jedem Jahr die Gedenkveranstaltung der Stadt Hohen Neuendorf zum Tag des Mauerbaus statt. An das Schicksal der jungen Frau erinnert heute außerdem eine Erle, die am 22. November 2005 zu ihrem 25. Todestag am Naturschutzturm gepflanzt wurde.

Zum 13. August 2009 wurde am früheren Grenzturm eine Gedenknische für alle vier jungen Mauertoten eingerichtet, die damals ihr Grundrecht auf Freizügigkeit für sich in Anspruch nehmen wollten. Hier befinden sich originale Mauerstücke und Zaunteile, ein sogenannter „Stalinrasen“ (eine Stahlnagelmatte) sowie andere Relikte aus dem dunklen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Kurzbiografien informieren über die Schicksale der jungen Maueropfer, die auch im Buch „Die Todesopfer an der Berliner Mauer“ von Hans-Hermann Hertle und Maria Nooke (ISBN 3-86153-517-3) dokumentiert sind.

Für die drei jungen Männer wurden zusätzlich an den Orten ihres Todes Pfähle der Grenzzäune senkrecht aufgestellt. An jedem Pfahl ist eine Infotafel über das Leben und den vergeblichen Fluchtversuch sowie eine DDR-Grenzgebietskarte mit der Lage der Fluchtversuche angebracht. Jeweils vor Ort soll dem Betrachter die Möglichkeit gegeben werden, sich mit diesem schwierigen Spannungsfeld der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, um es für sich zu bewerten.

Nach einer in einzelnen Fraktionen unwürdig verlaufenden Diskussion hat die Stadtverordnetenversammlung Hohen Neuendorf im März 2010 gegen den ausdrücklichen Willen der Angehörigen von Marienetta Jirkowsky beschlossen, einen Kreisverkehr nach der jungen Frau zu benennen, nur 200 Meter vom damaligen Fluchtort und der heutigen Gedenkstele entfernt. Die Angehörigen hatten sich stattdessen einen „Platz der Freiheit“ oder eine „Straße zur Freiheit“ zur Erinnerung an alle Maueropfer gewünscht.

Randnotiz: Die falsche Schreibweise des Namens („Marinetta Jirkowski“) unter anderem auf einem der 14 weißen Kreuze am Reichstagufer in Berlin, die ebenfalls an die Todesopfer an der Berliner Mauer erinnern, hat in der Öffentlichkeit zu einiger Verwirrung geführt. Durch sein persönliches Engagement hat unser Vorstandsmitglied Marian Przybilla erreicht, dass der Name von Marienetta Jirkowsky in den meisten Veröffentlichungen nun richtig geschrieben wird.

Grüne Mauer auf dem ehemaligen Grenzsteifen

Am Tag des Baumes am 25. April 2009 wurde auf dem ehemaligen Grenzstreifen eine „grüne Mauer“ aus 65 Bergahornen gepflanzt. Die Baumkette soll zwanzig Jahre nach dem Mauerfall künftige Generationen an die deutsche Teilung erinnern. Der Bergahorn ist Baum des Jahres 2009. Die Patenschaft für die jungen Bäume übernahmen unter anderem Familien mit Kindern, Schulklassen, Vertreter von demokratischen Parteien, von Vereinen und Firmen aus Hohen Neuendorf, Berlin und sogar aus Großbritannien.

Die Brocken-Erklärung

Das Geschichtsprojekt der Verkehrsministerkonferenz, die so genannte Brocken-Erklärung, soll die Erinnerung an die innerdeutsche Grenze und ihre Überwindung lebendig halten und erlebbar weiter tragen.

Am 18. April 2007 haben der Bundesverkehrsminister und alle für den Verkehr zuständigen Senatoren und Minister der Bundesländer, die durch die ehemalige Grenze getrennt waren, auf dem Brocken im Harz eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, um einen eigenen Beitrag gegen das geschichtliche Vergessen zu leisten. An allen bedeutenden Straßen, die die ehemalige innerdeutsche Grenze kreuzen, wurden zum 20. Jahrestag der Grenzöffnung Gedenktafeln aufgestellt, die an das Ereignis erinnern.

Als Umsetzung der Brocken-Erklärung wurden zwischen den Ländern Brandenburg und Berlin acht Gedenktafeln am ehemaligen Grenzverlauf aufgestellt, die an Datum und Uhrzeit der Grenzöffnung erinnern. Die B96 zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau wurde am 17. Februar 1990 geöffnet. Die große Tafel in Hohen Neuendorf wurde 20 Jahre nach dem Mauerfall am 9. November 2009 im Rahmen einer Feier durch den Bürgermeister enthüllt.

Bildquellen:

  • Grenzerneuerung 1963: Bodo Kaminski