Geschichte

Der Naturschutzturm Berliner Nordrand wurde im Juni 1990 als Gemeinschafts­projekt der Deutschen Waldjugend und der Schutz­gemeinschaft Deutscher Wald in Berlin und Brandenburg ins Leben gerufen: Eine "Liebe auf den ersten Blick" zwischen Ost und West.

Die beiden Initiatoren dieses Projektes wurden im Jahr 1999 für ihr Engagement mit dem Bundes­verdienst­kreuz am Bande ausgezeichnet.

Die Chronik der Mauer zeigt ein Bild der Führungs­stelle Bergfelde aus dem Jahre 1989.

Höhepunkte der jüngeren Ge­schichte finden sich in der Chronik des Naturschutzturms.

Menschen

Die Stiftung Naturschutz Berlin stellt vor: Marian Przybilla.

Vom Grenzturm zum Naturschutzturm

Die B96 von der West-Berliner Seite am 28. Dezember 1989 Bereits vor dem Mauerfall im Jahr 1989 gab es beiderseits vom damaligen Grenz­streifen Jugendgruppen, die sich in ihrer Freizeit für Natur- und Umweltschutz einsetzten. Auf der Ost- beziehungsweise Nordseite waren es die "Ökokekis" (Ökokellerkinder), die sich in Hohen Neuendorf im Keller von Helga Garduhn ihr Domizil geschaffen hatten. Es waren fast alles Schüler der EOS in Oranienburg (heute Runge-Gymnasium), die sich bei Natur­schutz­einsätzen im damaligen Kreis Oranienburg engagierten, zum Beispiel bei Pflege­arbeiten in verschiedenen Natur­schutz­gebieten und im damaligen Lehrkabinett (heute Waldschule) Briesetal. Sie gestalteten Info­wand­zeitungen und eine Naturschutz­vitrine zu Natur- und Umwelt­themen. Sie entwarfen "Fluch­blätter" zu gleicher Thematik.

Auf West-Berliner Seite gab es die Gruppe mit dem Namen "Brummbären" der Deutschen Waldjugend, dem Jugend­verband der Schutz­gemeinschaft Deutscher Wald. Sie waren mit ihrem Gruppenleiter Marian Przybilla unter anderem auch im Berliner Forst Frohnau aktiv und betreuten dort Vogel­nist­kästen.

Beide Jugend­gruppen haben sich nach der Wende gesucht und gefunden. Die "Ökokekis" gründeten dann die erste Gruppe der Waldjugend in Brandenburg. Ein Raum als Treff­punkt musste gefunden werden, um gemeinsam zu planen und Ziel­vorstellungen zu verwirklichen. Die "Ökokekis" wussten, dass sie ihren lieb gewonnenen Ökokeller aufgeben mussten, weil Rück­übertragungs­ansprüche von den westlichen Eigentümern geltend gemacht wurden. Helga Garduhn schlug vor, gemeinsam einen nutzlos gewordenen Grenz­turm für Aktivitäten und Aktionen zu "organisieren".

Die Grenz­truppen der Deutschen Demokratischen Republik, vertreten durch Herrn Major Kuntze, beurkundeten in einem Übergabe­protokoll am 25. Juni 1990 offiziell die Übereignung:

Durch die Dienststelle der Grenztruppen der DDR, 1422 Hennigsdorf, PF 62 341/L werden nachstehend aufgeführte ehemalige Grenzsicherungsanlagen zum Zwecke der Nutzung gemäß Antragstellung an Helga Garduhn […] kostenlos übergeben.

1 Stck. Führungsstelle Hohen Neuendorf/Bergfelde

Garantieleistungen, Ersatzteillieferungen und Instandsetzungen werden durch den übergebenden nicht gewährt.

Danach begannen odysseenartige Laufereien, bis das Projekt auf Dauer Bestand erhielt. Mit dem Tatendrang junger Leute konnten der Turm und das Gelände gestaltet werden. Von öffentlicher, gewerblicher und privater Seite kam immer wieder Hilfe, für die wir sehr dankbar sind.

Die beiden Initiatoren des Projektes, Helga Garduhn und Marian Przybilla, wurden im Jahr 1999 für ihr Engagement (unabhängig voneinander) mit dem Bundes­verdienst­kreuz am Bande ausgezeichnet. Für ihr Lebens­werk erhielt Helga Garduhn Ende September 2006 den Barbara-Zürner-Umweltschutzpreis des Landkreises Oberhavel.

Inzwischen ist der ehemalige Grenzstreifen wieder Wald Inzwischen ist der ehemalige Kolonnen­weg im Rahmen des Berliner Mauerwegs auf Initiative von Michael Cramer (MdEP) saniert und als Fahrrad­weg ausgebaut worden. Drei Gedenk­stelen informieren heute über die Geschichte der einstigen Führungs­stelle Bergfelde. Im November 2006 wurde auf dem Frei­gelände des Turms der Allwetter­pavillon fertig gestellt. Unter dem mit Schilf­matten abgedeckten Holz­dach können seither auch bei ungünstiger Witterung zwei Schul­klassen auf den Bänken Platz finden.

Im November 2009 wurde der ehemalige Grenz­turm mit Bunker in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. In der Begründung heißt es unter anderem: "Aufgrund seiner freien Lage und seiner Bauhöhe bildet der Grenz­wach­turm einen markanten Blick­punkt in der Landschaft. Er markiert heute den nördlichsten Punkt der einstigen Grenz­sicherungs­anlagen, die fast drei Jahrzehnte den westlichen Teil Berlins umschlossen. Der Grenz­wach­turm besitzt daher städte­bauliche Bedeutung."

Erinnerung an die deutsche Teilung

Auf dem früheren Grenz­streifen sind die Zeugnisse der deutschen Teilung auch heute noch all­gegenwärtig. Seit 1995 wird auf dem Freigelände des Naturschutzturms an Marienetta Jirkowsky erinnert. Auf Initiative der Deutschen Waldjugend wurde im Dezember 2006 in der Hohen Neuendorfer Florastraße, nur wenige hundert Meter vom ehemaligen Grenz­turm entfernt, eine Gedenk­stele für die junge Frau errichtet. Im Rahmen des Berliner Mauerwegs erinnert diese Stele an die damals 18-Jährige, die bei einem Flucht­versuch am 22. November 1980 an der Grenze erschossen wurde.

Am Tag des Baumes im April 2009 wurde auf dem ehemaligen Grenz­streifen eine "grüne Mauer" aus 65 Berg­ahornen gepflanzt. Die Baumkette soll zwanzig Jahre nach dem Mauer­fall künftige Generationen an die deutsche Teilung erinnern. Der Bergahorn ist Baum des Jahres 2009. Die Patenschaft für die jungen Bäume übernahmen unter anderem Familien mit Kindern, Schulklassen, Vertreter von demokratischen Parteien, von Vereinen und Firmen, nicht nur aus Berlin und Umgebung.

Im August 2009 wurden neue Gedenkorte für vier junge Mauertote in Hohen Neuendorf der Öffentlichkeit vorgestellt. Einige Tage später drehte das SWR-Fernsehen eine Kinder­sendung für den Tigerenten Club zum Thema "20 Jahre Mauer­fall". "Wir haben hier eine perfekte Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart", sagte Redakteur Jo Müller gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Der Turm mit seiner negativen Geschichte und dem positiven Wandel habe sich für eine solche Sendung hervorragend angeboten.

Die Führungsstelle Bergfelde

Die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin verlief vom nördlichen Ende der Invaliden­siedlung parallel zur Utestraße mitten durch den Wald. Dieser Grenz­abschnitt wurde als Teil der Außen­grenze bereits im Jahre 1952 geschlossen. Ab 1961 wurde der Grenz­streifen mit Mauern und Zäunen, Licht­trasse und Kolonnen­weg zu tief gestaffelten Sperr­anlagen ausgebaut.

Die Führungs­stelle Bergfelde wurde in den 1980er Jahren errichtet und diente zum einen der Grenz­überwachung. Zum anderen war sie Kommando­zentrale für die umliegenden Beobachtungs­türme, die im Abstand von etwa 500 Metern im Grenz­streifen standen.

Die Führungs­stelle war mit drei Grenz­soldaten und einem Offizier besetzt. Über dem Keller­geschoss mit technischen Anlagen erhob sich das Erd­geschoss mit einer Arrest­zelle für sogenannte Grenz­verletzer, so wurden Menschen be­zeich­net, die zu flüchten versuchten. Das erste Ober­geschoss diente als Aufenthalts­raum und das zweite Ober­geschoss war Beobachtungs­stand mit Blick nach allen Seiten. Auf dem Dach war ein großer Such­schein­werfer installiert.

Weitere DDR-Grenztürme rund um West-Berlin

Neben dem Naturschutz­turm Berliner Nordrand, der einstigen Führungs­stelle Bergfelde, sind rund um (West-)Berlin an ihrem Original­standort noch drei weitere Grenztürme gleicher Bauart erhalten geblieben:

  • Die ehemalige Führungsstelle Kieler Eck liegt im Bezirk Mitte am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und ist heute umstellt und überragt von Wohnbauten aus den 1990er Jahren. Seit August 2003 ist der Turm Gedenkstätte für Günter Litfin, der am 24. August 1961 eines der ersten Todesopfer an der Berliner Mauer wurde.
  • Die ehemalige Führungsstelle Schlesischer Busch liegt zwischen den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick im Schlesischen Park an der Puschkinallee. Der Turm wird seit 2004 als Ausstellungsort von der Kunstfabrik am Flutgraben genutzt.
  • Die ehemalige Führungsstelle Nieder Neuendorf liegt an der Havel im gleichnamigen Hennigsdorfer Ortsteil Nieder Neuendorf im Landkreis Oberhavel. Seit November 1999 ist dort ein Dokumentationszentrum und eine Ausstellung zur deutschen Teilung untergebracht.

Daneben gibt es weitere Beobachtungstürme und Bauten, die an die ehemalige Grenze erinnern:

  • In der Nähe von Potsdamer- und Leipziger Platz, an der Erna-Berger-Straße, ist ein weiterer, kleinerer Beobachtungs­turm erhalten geblieben. Aufgrund der Neubebauung wurde er gegenüber dem ursprünglichen Standort jedoch um etwa acht Meter versetzt. Seit 2001 steht er unter Denkmal­schutz.
  • Im Rahmen der Gedenkstätte Berliner Mauer wurde an der Bernauer Straße Ecke Ackerstraße ein Beobachtungs­turm denkmal­gerecht wieder aufgebaut.
  • Ein weiteres Denkmal: Der ehemalige Kommandantenturm der Grenzübergangsstelle Drewitz ist heute Ausstellungs- und Veranstaltungsort des Vereins Checkpoint Bravo.

Das Projekt Denkmallandschaft Berliner Mauer hat die ehemaligen Grenz­anlagen und deren heute noch sicht­baren Relikte doku­mentiert. Eine differenzierte und sehr ausführliche Doku­mentation zu Mauerbau und Mauerfall bietet die Bundes­zentrale für poli­ti­sche Bildung, das Deutschland­radio und das Zentrum für zeit­historische Forschung Potsdam auf ihren gemeinsamen Internet­seiten zur Chronik der Mauer.

© Fotos: DWJ

© 1990 - 2012 by Deutsche Waldjugend - Naturschutzturm Berliner Nordrand e.V. [ http://naturschutzturm.de ]